U18-Wahl: Erkenntnis und Chance
Wie tickt die Jugend? Welcher Partei würden sie ihre Stimme geben? Welche Tendenzen zeichnen sich für die Zukunft ab?
Diese Fragen versucht man immer wieder auf verschiedene Weisen zu beantworten. Eine, meiner Meinung nach gute, Möglichkeit stellt die U18-Wahl dar. Kinder und Jugendliche waren zur Abgabe ihrer Stimme aufgerufen. 126.000 haben teilgenommen und folgendes Ergebnis ist dabei heraus gekommen:
| SPD | 20,4% |
| B90/Grüne | 20,05% |
| CDU/CSU | 19,31% |
| Die Linke | 10,38% |
| Piraten | 8,72 % |
| FDP | 7,6 % |
| Tierschutz | 5,2 % |
| sonstige | 13,55% |
Ich finde das durchaus interessant, die drei größten Parteien sind SPD, Grüne und CDU/CSU. Die SPD ist Sieger und das überrascht mich am meisten. 20,4 Prozent sind zwar kein überragendes Ergebnis (2004 waren es 38,8%), aber trotzdem hätte ich gedacht, dass die derzeit sehr SPD-feindliche Stimmung die Jugend noch mehr beeinflusst hat. Wenn man bedenkt, dass keine Partei überragen kann, ist der Vorsprung des linken Lagers doch überragend. Dass die Piraten mit knapp 9 Prozent die fünft-stärkste Kraft sind überrascht mich nicht, das Thema der Freiheit (im Internet und überall) kommt vor allem bei jüngeren sehr gut an. Zusätzlich bekommt diese Partei über ihr bisher kurzes aber intensives Auftreten enormen Aufwind, viele denken, dass Piraten anders als “normale” Politiker sind und wirklich etwas erreichen könnten. Die Tierschutzpartei wäre nach Meinung der Jungwähler auch im Bundestag vertreten, warum kann ich nicht wirklich erklären. Wahrscheinlich zählt bei dieser Partei der Name mehr, als alles andere, denn das öffentliche Auftreten dieser Partei ist eigentlich nicht vorhanden.
Beunruhigt bin ich jedoch über das hohe Ergebnis der NPD, 4,21 Prozent hat sie bei der U18-Wahl im Bund erreicht. Noch viel schlimmer sieht es in Sachsen aus, denn hier hat die NPD 12,78 Prozent der Jungwähler erreicht. Damit liegt sie zwar hinter dem Ergebnis der U18-Wahl 2004 mit 16,6 Prozent zurück, aber ist damit dennoch sechst-stärkste Kraft im Freistaat. Die fünf großen Parteien kommen in Sachsen zwar trotzdem auf brauchbare Ergebnisse, aber es ist erschreckend, wie das Ergebnis der NPD aussieht.
Sind die Perspektiven der Jugend so schlecht, dass sie denken, nur Rechtsradikale können etwas für sie erreichen? Man kann nicht einmal die ländlichen Regionen Sachsen für dieses Ergebnis verantwortlich machen, der Wahlkreis Dresden I weist ein NPD-Ergebnis von über 17 Prozent auf. Es wird also dringend Zeit, dass die Themen Demokratie und Zukunft zur Jugend kommuniziert werden. Es reicht eben nicht, Luftballons und Hüpfburgen für die Kleinsten zu bieten.
Es sollten nach der Bundestagswahl nicht nur die Ergebnisse der Erwachsenen auseinander genommen werden. Jetzt ist es ganz wichtig zu schauen, warum die Jugend so gewählt hat. Man kann es nicht auf die Reife der Jugendlichen schieben, dafür ist das Ergebnis zu eindeutig. Werden Fehler im Unterricht gemacht, wie wird das Thema Rechtsextremismus überhaupt an Sachsens Schulen behandelt? Punktet die NPD, weil sie den Jugendlichen suggeriert, für sie dazu sein? Treten die demokratischen Parteien überhaupt ausreichend an die Jugend heran?
Man kann die Bedeutung der NPD und damit auch die Gefahr, die von ihr ausgeht, unterschätzen. Der ehemalige Ministerpräsident Kurt Biedenkopf tut das und er verschätzt sich damit enorm. Das Ergebnis der U18-Wahl zeigt, dass die NPD auch in Zukunft in Sachsen eine Rolle spielen wird. Es gilt aber, genau dies zu verhindern, sonst wird das Geburtsland der Sozialdemokratie zum ewig braunen Land. Ich hoffe, dass die neue Landesregierung dieses Ergebnis nicht nur zur Kenntnis nimmt, sondern auch ernsthaft daran etwas ändern will.
Wer sich noch ein wenig mehr zu diesem Thema informieren will, sollte sich folgende Links anschauen:

[...] an die Wahlurne! Der Dresdner Bloggerkollege Olaf Walther (»Medienfuzzi«) schreibt über die U-18-Wahl. Ich finde es auch sehr wichtig, dass Jugendliche zum Mitgestalten motiviert und schon zeitig an [...]
Ja aber was sieht man klar und deutlich: “sonstige”, “Tierschutz”, “Piraten” … Mode die nie aus der Mode kommt, aber Stimmen kostet.