Ich habe meine Finger still gehalten, als die neuen Bundesminister vorgestellt wurden. Ich habe ebenfalls kein Wort dazu geschrieben, was ich von Schwarz-Gelben Koalitionsverträgen halte. Kaum vorstellbar habe ich mich sogar beherrschen können, als irgendwelche Wichtigtuer einen Tunnel unter dem Blauen Wunder aus ihren Träumen zauberten.
Aber jetzt reicht es. Sorry, aber ich bin richtig sauer. So viel Ignoranz. So viel Sturheit. Und so viel Arroganz.
Das bestimmte Menschen in dieser Stadt bestimmte Stadtteile eher für parasitär halten ist allgemein bekannt. Das diese Menschen permanent versuchen an den Bewohnern dieser Stadtteile vorbei zu entscheiden ist auch nichts neues. Da werden Kameras aufgebaut, die zwar nichts bringen, aber doch gut zum Wahn einiger der eben genannten Menschen passen, dass jeder, der an der Kamera vorbeikommt, so und so gewalttätig oder zumindest anderweitig hochgradig kriminell ist. Da werden Brücken gefordert und gebaut, die mehr Verkehr in Stadtteile ziehen, wo er nicht hingehört! Aber das alles ist ja egal, solange man fernab dieser Stadtteile wohnt oder auch ansonsten so viel mit Dresden zu tun hat, wie die bayrische Weißwurst.
Aber jetzt kommt es mal wieder ganz dick. Seit Jahren wird an der Planung der Königsbrücker Straße herumgebastelt. Die einen fordern den vierspurigen Ausbau der Straße zur Stadtautobahn. Die anderen fordern den zweispurigen Ausbau, aber dafür mit Radweg und größtenteils eigenem Gleisbett für die Straßenbahn. Schon seit 2006 steht ein Stadtratsbeschluss, dass die Straße zweispurig ausgebaut werden soll. Nun schau ich auf den Kalender und sehe, dass wir uns mittlerweile im November 2009 befinden! Dann folgt der Blick aus dem Fenster und ich sehe, dass die Bauarbeiten an der Straße noch nicht einmal annähernd begonnen haben.
Aber wo liegt das Problem? Der Stadtrat hat entschieden! Die Fördermittel vom Land Sachsen schienen zumindest unter SPD-Führung im Wirtschaftsministerium kein Problem zu sein! Die Prognosen sprechen eigentliche auch eine eindeutige Sprache und lassen die Waldschlösschenbrücke zum Rettungsring der Königsbrücker werden! Aber nein, da haben wir ein paar wichtige Kleinigkeiten übersehen. Diese Kleinigkeiten nenne ich nicht beim vollen Namen, die Abkürzungen sind mehr als verständlich: ADAC, CDU und FDP. So unterschiedlich die drei sein mögen, sie zeichnen sich durch eine Gemeinsamkeit aus: den “Tunnel-, Brücken- und alles-für-Autofahrer-Blick”.
Den dreien ist egal, dass es neben Autofahrern durchaus noch andere Verkehrsteilnehmer gibt. Denen ist auch egal, dass man teilweise mit der Straßenbahn von der Louisenstraße zum Albertplatz doppelt so lange braucht, wie zu Fuß (Stichwort: eigenes Gleisbett für Straßenbahnen). Denen ist ebenfalls egal, dass es Läden und Lokale gibt, die ihren “Krempel” auf dem Fußweg parken! Denen ist natürlich auch egal, dass dem vierspurigen Ausbau sehr feste Hindernisse im Weg stehen (z.B. die Feinbäckerei Rißmann) oder dass es Vorgärten gibt, die der Stadt zwar nicht gehören, die man aber gern zur Straße umfunktionieren würde. Hauptsache die Autofahrer können schnellstmöglich vierspurig im Stau stehen!
Ja wieso denn im Stau stehen? Richtig gelesen, das Problem ist bei weitem nicht der ungenügende Platz für die Autos in der Breite, sondern vielmehr, dass es auf der Königsbrücker einige Ampeln gibt. Dass man die nicht abschaffen kann und sogar (egal ob zwei oder vier Spuren) noch mehr dazukommen, macht die Sache natürlich nicht besser und keinen Autofahrer schneller. Das Tolle ist, bei vier Spuren würden also die Autofahrer nicht wirklich davon profitieren, aber alle anderen Verkehrsteilnehmer müssten mit noch mehr Einschränkungen leben. Die Fußwege würden wesentlich schmaler werden, Radwege würde es keine geben (auf dem Fußweg wäre dann auch kein Platz für Radfahrer) und die Straßenbahn darf weiterhin am Albertplatz im Stau stehen. Dass der ADAC nur für Autofahrer spricht und denkt ist ja logisch. Dass jedoch FDP und CDU so KFz-fixiert handeln ist schon reine Ignoranz vor den Menschen, die eben nicht jeden Tag nur mit dem Auto unterwegs sind. Fußgänger, Radfahrer und Nutzer des ÖPNV sind Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse, wenn es nach CDU und FDP geht, und das ist nicht in Ordnung.
Anstatt dann wenigstens wirklich brauchbare Argumente für den vierspurigen Ausbau der Straße zu bringen versteift man sich lieber darauf, die Neustädter zu verunglimpfen. Diese Arroganz und Ignoranz kotzt mich ehrlich gesagt an. Da wir die KFz-Lobbyisten leider nicht direkt an ihrem Handeln hindern können, werden wir das wohl über andere Wege machen müssen! Ich hoffe, dass wirklich viele Menschen dabei sind, wenn wir wieder einmal für einen verträglichen (und vom Stadtrat bereits beschlossenen) Ausbau der Königsbrücker auf die Straße gehen.
Ich verstehe nach wie vor nicht, warum wir 4 Spuren auf der Königsbrücker Straße für Autos brauchen? Wenn ich schaue, wo die Autofahrer heute stehen und vor allem weswegen, dann erschließt sich mir der Sinn von vierspurigem Stau einfach nicht. Zudem gibt es Varianten, die sogar explizit als solche gebaut worden/werden. Die Waldschlösschenbrücke soll eine große Menge Verkehr aus der Stadt ziehen und auf die Stauffenbergallee leiten. Die Hansastraße besteht bereits vierspurig und ist ebenfalls direkt an den 26er Ring angeschlossen! Und dazu kommt diese (oben schon angesprochene) Ignoranz vor den Bewohnern der Neustadt und den direkten Anwohnern und Geschäften der Königsbrücker Straße. Die Begründungen der Autobahnbauer sind fadenscheinig und die Arroganz, mit welcher über bestehende Entscheidungen hinweg gegangen wird ist sehr aussagekräftig. Bleibt zu hoffen, dass wir genug öffentlichen Druck gegen diesen Wahnsinn aufbauen können.
In diesem Sinne: auf Bald bei den Demonstrationen gegen Ignoranz und Arroganz und für den Stadtteil-verträglichen Ausbau der Königsbrücker Straße!